Wenn die Haut juckt
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der Mensch von Tucholsky





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zitat

Grenzen meines Körpers sind
Grenzen meines Ichs. Die
Hautoberfläche schliesst mich
ab gegen die fremde Welt:
auf ihr darf ich, wenn ich
Vertrauen haben soll, nur zu
spüren bekommen, was ich
spüren will.

- Jean Améry-

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Wenn die Haut juckt

Das Böse, nicht die Fehler, dauern, das Verzeihliche ist längst
verziehen, die Messerschnitte sind auch so verheilt, nur der
Schnitt, den das Böse tut, er heilt nicht, bricht aus in der
Nacht, jeder Nacht. (Ingeborg Bachmann, Gloriastrasse, 2. Vers)

Die Geschichte von Hanna und ihre juckende Haut

In der Nacht war es am Schlimmsten. Hanna konnte kaum eine
Stunde schlafen, schon begann es wieder zu jucken. Am Hals, im
Gesicht, auf der Kopfhaut, an den Armen, unter den Armen und
vor allem in den Ellenbeugen und sogar in den Kniekehlen und
Innenseiten der Oberschenkel.

Hanna kratzte und kratzte und kratzte. Bis aufs Blut. Ihre Haut war
überall offen vom Kratzen, das Blut lief über die Arme, über das
Gesicht, aus dem Kopf.

Erst in den Morgenstunden gab die Haut für eine Weile etwas Ruhe
und sie konnte ein wenig schlafen.

Hanna war über dreissig als sie an einer schweren Neurodermitis
erkrankte. Ihre Haut reagierte auf alle möglichen Sachen mit einer
Allergie. Das heisst, die Haut wurde rot und juckte heftig. Manchmal
entstanden sogar grosse Blasen, vor allem am Gesicht und im
Halsbereich.

Sie reagierte vor allem auf Nahrungsmittel allergisch, seltsamerweise
aber nicht auf Milch und Weizen, wie das bei vielen Allergikern der
Fall sei.

In den schlimmsten Phasen hatte sie kaum noch Körperbereiche,
die nicht betroffen waren. Sie war Tag und Nacht nur noch am
Kratzen, Blut abwischen, sich waschen, einsalben, verbinden.

Eine mühselige und kräfteaufreibende Angelegenheit, die sie teils
völlig absorbierte und die sie immer wieder erschöpfte bis zum
Zusammenbruch. Und es gab nichts, das Linderung versprach,
ausser Kratzen.

Die unzähligen Arztbesuche und Untersuchungen konnten ihr
nicht helfen. Sie machten nur erschöpfter und verzweifelter.



Auf alles allergisch

Hanna reagierte auf alle Salben, Cremes und Medikamente vom Arzt
allergisch. Sie probierte es mit Homöopathie, mit Akkupunktur, mit
chinesischer Medizin, aber sogar darauf hatte sie starke allergische
Reaktionen. Auch Diäten brachten keinerlei Besserung.

Meistens blieb sie zu Hause, ging über längere Zeiten gar nicht mehr
aus dem Haus. Ihr Gesicht war völlig entstellt durch die Hautkrankheit
und durch die Kratzerei. Sie fand sich hässlich und unansehnlich.

Freunde waren erschrocken als sie sich wieder einmal gezeigt hatte.
Man mochte sie nicht mehr ansehen. Wollte früher noch jeder mit
ihr gut Freund sein, weil sie gut aussah, gingen ihr heute viele aus
dem Weg.

Hanna verstand ihre Krankheit damals noch nicht. Sie musste einfach
kratzen wenn es juckte. Auch wenn andere immer sagten: nicht kratzen,
nicht kratzen, hör auf!
Sie musste kratzen. Das war das Einzige, das
sie wusste. Es war das Einzige, das kurze Zeit Linderung brachte.

Irgendwann nahm sie sich sogar die Zeit zum Kratzen, zum Waschen,
sich Einsalben und Verbinden. Es wurde zu einem Ritual. Man könnte
auch sagen zu einer ganz eigenen Form der Zuwendung und Zeit, die
sie sich schenkte.



Hilfe aus einem Buch

Einmal, es war an einem Freitagabend, Hanna sass auf dem Sofa im
Wohnzimmer und kratzte an ihren Armen, weil es wieder so unheimlich
juckte. Eine Diskussion lief im Fernseher, die sie halbherzig verfolgte.
Erst als eine Frau von ihrer Krankheit erzählte und von dem Weg, den
sie ohne Medikamente gegangen war, wurde sie hellwach.

Das Buch von Rüdiger Dahlke, das in der Sendung erwähnt wurden,
bestellte sich Hanna gleich am nächsten Tag. Krankheit als Symbol,
Handbuch der Psychosomatik. Symptome, Be-Deutung, Bearbeitung,
Einlösung.

Hanna wusste sofort, das war ihr Weg. Sie wollte nicht länger in Kliniken
Versuchskaninchen sein, sondern ihre Krankheit verstehen und etwas
daraus lernen.

Nebst den Büchern sprach Hanna immer wieder mit Psychologen,
stellte Fragen und suchte nach Antworten.



Der Packt mit der Haut

Mittlerweile hatte Hanna mit ihrer Haut einen Packt geschlossen.
Sie wurde ihr eine Vertraute, eine gute Freundin.

Heute sagt ihr jeder Juckreiz, dass etwas mit der Abgrenzung im
Ungleichgewicht steht und es zwingend notwendig ist, in sich zu
gehen und Gegensteuer zu geben.

Zu wenig Nein gesagt, zu wenig auf ihr Inneres gehört, zu wenig oder
zu sehr die Bremse angezogen, zu wenig oder zu viel Kontakt und
Austausch zugelassen, zu lieb gewesen und es allen recht gemacht,
zu wenig auf die Seele gehört, zu wenig auf die Widerstände und
Bedürfnisse geachtet...



Neigungen ernst nehmen

Hanna lernte ihre Neigungen und ihre Sensibilität ernst nehmen,
statt sie als etwas Schlechtes zu verurteilen und weghaben zu wollen.

Sie lernte zu ihrem eigenen ganz persönlichen Rhythmus zu stehen,
ihn ernst zu nehmen und zu leben.

Sie lernte ihre Empfindlichkeit in Sensibilität umzuwandeln und diese
bewusst einzusetzen.

Sie lernte Emotionen ausdrücken, sich abgrenzen, ihre Grenzen
bewusst und sensibel zu öffnen und zu schliessen.

Sie hat Ventile gefunden für ihren ganz persönlichen Ausdruck und
sie getraute sich immer wie mehr, Ihrer Persönlichkeit Ausdruck
zu verleihen.

Es war ein langer und mühsamer Prozess, aber sie konnte ihre Haut
immer wie mehr entlasten, so dass sie nach einigen Jahren fast
völlig geheilt war.


(© Geschrieben von Monika Minder, Mai 2013)



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Neurodermitis - Psychosomatisch nach Rüdiger Dahlke
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Körperebene:


Haut (Grenze, Kontakt, Zärtlichkeit).



Symptomebene:

Von allergischen Hautreaktionen herausgefordert werden
("es juckt und kratzt mich");
Aggressive Form der Zuwendung, die schon von betroffenen
Kindern schreiend eingefordert wird;
Reaktion auf Allergen (oft Milch, was auf einen Mutterkonflikt
schliessen lässt), das stimuliert und erregt und reizvoll oder
reizend erlebt wird;
Nach aussen drängende Leidenschaft, inneres Feuer/Zorn:
"sich aufgekratzt fühlen";
Bis aufs Blut gehender Kampf gegen symbolische Feindbilder,
dargestellt von den Allergenen;
Überreaktion, überzogenes Feindbild, starke unbewusste
Aggressivität;
Die flammende Aggression steht einem ins Gesicht geschrieben;
Es verreisst die Fassade;
Über die Vermeidung von Allergenen die Umwelt tyrannisieren
und damit Aggressionen ausleben: unbewusste Machtspiele;
Aggressionsstau, unterdrückte Vitalität;
unstillbares Bedürfnis, sich blutig zu kratzen, die eigenen Grenzen
einzureissen;
(Auf der falschen Ebene) aufgekratzt sein, aus der Haut fahren
wollen;
Sich aussätzig fühlen (sich aus der Gemeinschaft ausschliessen),
sich absondern.



Bearbeitung:

Sich die eigenen unter die Haut gehenden Bedürfnisse bewusstmachen;
Sich freiwillig herausfordern lassen: das Leben mit seinen Reizen darf
einen jucken;
Die vielen Reize bewusst zu sich hereinlassen und sich herauslocken
lassen;
Die Grenzen mutig öffnen;
Die als feindlich eingestuften Symbole bewusst hereinlassen und in
ihrer ganzen Bedeutung erkennen und annehmen;
reaktionsfreudiger werden;
sich mehr erlauben, aufgekratzt zu sein;
Die Grenzen (Haut) durchlässiger werden lassen, um mehr Kontakt
und Austausch pflegen zu können;
Dem Körper die Aggressionsübung wieder abnehmen und selbst
aggressiver und offensiver werden: zu leben wagen, schlag-fertiger
werden;
Lernen, sich seiner Haut zu wehren und ihre Schleusen nach
Belieben zu öffnen;
Herausforderungen bewusst annehmen und sich von ihnen
fordern und fördern lassen;
Offensiv agieren;
Erotik geniessen (lernen);
Bewusste Auseinandersetzungen mit den gemiedenen und
abgewehrten Bereichen suchen.



Einlösung:

Im Bewusstsein so lange kratzen, bis man weiss, was einen
juckt und reizt, einem unter die Haut geht und auf der Seele
brennt;
Die heissen Eisen des eigenen Lebens in Angriff nehmen;
Dem Leben die Stirn bieten.


Aus dem Buch "Krankheit als Symbol", Handbuch der Psychosomatik
von Rüdiger Dahlke.

Krankheit als Symbol:
Ein Handbuch der Psychosomatik. Symptome,
Be-Deutung, Einlösung.







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Symptome, Be-Deutung, Einlösung.







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