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Neu anfangen fällt uns
leichter, wenn wir Altes im Guten loslassen.

- © Monika Minder -

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Neujahr
Silvester



Neujahr

Gedanken zum Jahreswechsel

Im Hinter-uns-lassen des alten Jahres und Eintreten ins neue Jahr schweben wir in einem Übergang, in einem Dazwischen, das uns durchaus Angst machen kann. Das Alte ist vorbei, unwiderruflich, das Neue noch nicht geschaffen.

Oftmals werden schwierige Ereignisse, die wir schon meinten hinter uns gelassen zu haben, gerade in dieser Übergangsphase wieder lebendig. Emotionen suchen sich ihren Raum.

Besonders, wenn wir einen lieben Menschen, ein Haustier oder eine liebgewonnene Umgebung loslassen mussten, kann es sein, dass wir den Schmerz und die Trauer nochmals sehr intensiv durchleben. Wir spüren die Endgültigkeit, die uns mit dem Ende des Jahres sehr stark ins Bewusstsein tritt.

Das Traurig-sein zulassen, hilft verarbeiten und ist ein Schritt in die neue Richtung. Ein Entwicklungsschritt, der schmerzhaft ist, aber auch befreiend. Durchschreiten, annehmen, wieder loslassen... Irgenwann wachsen wir in die Antwort hinein, wie Rilke sagte und Neues entsteht. Den Rhythmus bestimmen wir selber.

Das Neujahr mit seinem neuen Tag, mit seinem frischen Morgen bietet uns die Möglichkeit eines Neuanfangs. Egal wie gross oder klein dieser ist, wir können ihn genau nach unseren Vorstellungen, nach unseren ureigenen Bedürfnissen selber gestalten. Welche Freiheit!

S P R U C H
Es gibt ein Bleiben im Gehen,
ein Gewinnen im Verlieren,
im Ende einen Neuanfang.

(Sprichwort aus Japan)

Altjahrswoche

In der Altjahrswoche dürfen wir uns durchaus etwas Zeit nehmen für uns selber. Es kann sehr hilfreich sein, über das alte Jahr zu reflektieren und uns in Fantasien und Träumereien über das neue Jahr fallen zu lassen.

Sich die Zeit nehmen und dieses "Dazwischen" bewusst gestalten ist ein wunderbares Ritual, das befreit und stärkt, das öffnet und Mut macht.

In der Altjahrswoche nehme ich mir jeweils ein bis zwei Tage Zeit und lasse das alte Jahr noch einmal Revue passieren. Gedanken und Gefühle, die aufkommen, lasse ich zu und schreibe sie auf. Am zweiten Tag räume ich Schränke auf, entsorge Klamotten, putze, wasche und löse mich allgemein von altem und neuem Krempel.

In der Regel verschenke ich alles im Bekannten- und Freundeskreis oder gebe die Sachen an eine Hilfsorganisation.

Die nächsten ein bis zwei Tage nehme ich mir Zeit und träume vom Kommenden. Ich mache mir Gedanken und Notizen über Wünsche und Ziele, über Möglichkeiten und all das, was ich ändern möchte und über das, was so bleiben darf, wie es ist, weil es gut ist, weil es sich bewährt hat.

Kleiner Tipp

Schreiben wir Wünsche, Träume, Ereignisse und Gefühle auf, wirken sie intensiver und wir können uns vieler Dinge bewusster werden. Hilfreich ist das auch, wenn wir uns für das neue Jahr etwas vornehmen. Es lässt sich dann leichter umsetzen.






Loslassen

Manchmal ist es Zeit, etwas oder jemanden loszulassen, weil wir uns nicht mehr wohl fühlen, weil wir krank werden, weil es nicht mehr passt, weil es uns den Atem nimmt, weil wir aus einer Rolle aussteigen möchten...

Wir dürfen uns eingestehen, dass wir das ein oder andere nicht mehr lieben und dass Gewohnheiten kein Ersatz für Liebe sind. Vielleicht passen die Freunde nicht mehr, der Partner, die Freizeitbeschäftigungen oder die Arbeit erfüllt nicht mehr.

Manchmal stehen alte Konflikte im Raum, die wir über das Jahr hinweg aufgeschoben oder verdrängt haben. Wenn wir entspannter ins neue Jahr gehen wollen, ist es hilfreich die Dinge beim Namen zu nennen. Ein Gespräch erledigen, sich Luft verschaffen, etwas bereinigen ...

S P R U C H
Was ihr greift, greift fest – mit leichter Hand, willig zum Loslassen in der Stunde des Abschieds.

(Emil Gött, 1864-1908)






Das neue Jahr kann kommen

Das neue Jahr lässt sich leichter umarmen, wenn wir das ein und andere erledigt haben, aber auch damit, dass wir es einfach ruhen lassen und annehmen, wie es gerade ist. Unter Druck setzen mit Vorsätzen wirkt kontraproduktiv. Unser Leben müssen wir nicht innert weniger Tage umstrukturieren.

Meistens reicht es, wenn wir uns bewusst machen, was wir im Laufe des neuen Jahres verändern möchten. Welche Wünsche und Bedürfnisse mehr Beachtung und Raum brauchen. Denn schliesslich haben wir ja wieder ein ganzes Jahr Zeit und das ist doch etwas Wunderbares.

G E D I C H T

Ein Jahr ist nichts

Ein Jahr ist nichts, wenn man's verputzt,
ein Jahr ist viel, wenn man es nutzt.
Ein Jahr ist nichts; wenn man's verflacht;
ein Jahr war viel, wenn man es ganz durchdacht.
Ein Jahr war viel, wenn man es ganz gelebt;
in eigenem Sinn genossen und gestrebt.
Das Jahr war nichts, bei aller Freude tot,
das uns im Innern nicht ein Neues bot.
Das Jahr war viel, in allem Leide reich,
das uns getroffen mit des Geistes Streich.
Ein leeres Jahr war kurz, ein volles lang:
nur nach dem Vollen mißt des Lebens Gang,
ein leeres Jahr ist Wahn, ein volles wahr.
Sei jedem voll dies gute, neue Jahr.

(Hanns Freiherr von Gumppenberg, 1866-1928, deutscher Dichter, Übersetzer, Kabarettist)

Vorsätze

Für viele Menschen ist Neujahr ein guter Zeitpunkt, um Vorsätze zu fassen und sie auch anzugehen. Manche Vorsätze überleben sogar den ersten Monat, viele jedoch scheitern bereits am Tag danach und nur wenige werden wirklich konsequent durchgezogen.

Das mit den Vorsätzen ist also leichter vorgenommen als umgesetzt. Vorsätze sind ja auch etwas ganz fieses. Warum? Weil sie in der Regel nicht lebenswichtig sind.

> mehr lesen zum Thema Vorsätze

Bucket list

Ich bin kein Fan von Listen jeglicher Art. Mache ich mal eine, wird sie schon am anderen Tag über Bord geworfen. Das ist wie mit den Vorsätzen. Da geht es mir wie den meisten Menschen. Wahrscheinlich geht es uns einfach zu gut. Wir müssen ja nicht, wir leben ewig. So in etwa.

Neulich las ich dann die Geschichte von Martin Inderbitzin, der nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs sein Leben umkrempelte. Konfrontiert mit seiner Endlichkeit erstellte er eine sogenannte Bucket list, eine Liste mit Dingen, die man noch nie gemacht hat, aber in seinem weiteren Leben gerne noch machen würde. Drei Monate nach der ersten Chemotherapie schaffte er den ersten Triathlon, er heiratet, macht eine Weltreise...

Zugegeben, das sind nicht unbedingt Dinge, die ich noch machen möchte, aber es zeigt sehr schön auf, das fast alles möglich ist. So eine Bucket list in der Altjahrswoche erstellen, warum nicht. Wir brauchen nicht zu warten, bis wir durch einen Schicksalsschlag "gestossen" werden.


* Guten Rutsch - HAPPY NEW YEAR - gutes neues Jahr 2019 *

(© alle Artikel von Monika Minder)










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G E D I C H T

Das Jahr ist satt

Das Jahr ist satt und müd,
nichts mehr, was in deiner Seele glüht.
Auf der Erde wird es kalt
und der bunte Zauber verliert sich bald.

Zwischen alt und neu,
in diesem Dazwischen sich freun,
Wo Zeit und Angst und Tod
mehr sind als ein leises Wort.

So mag das alte Jahr sich gern verwehn,
Leben möchten deine Augen sehn.
Das Grosse, das dich beim Namen nennt,
und in der flüchtigen Zeit für immer bleibt.

(© Monika Minder)



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